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Online Werbung für Hanf & Cannabis - Vorsicht Zensur

Wenn man eine Webseite wie hanf.biz (wahlweise zu ersetzen durch sämtliche andere Hanf-Portale und Webseiten) betreibt, dann tut man dies in der Regel nicht nur aus Spaß, sondern am Ende des Tages möchte man doch, dass die Inhalte auch wahrgenommen und konsumiert werden. Gerade bei Neustarts fehlt die nötige Reichweite und der Bekanntheitsgrad. Um die fehlenden Besucher dann auch irgendwann auf das digitale Angebot zu bekommen braucht man erstens tolle Inhalte und zweitens auch entsprechende Kanäle wie z.B. Google, Facebook, Twitter und Instagram. Dort kann man natürlich auch die sogenannte organische Reichweite erzielen, aber das dauert! Es dauert, bis man eine passable Stammleserschaft aufgebaut hat, es dauert bis ausreichend Facebook-Fans und Twitter-Follower da sind und organische Rankings bei Google dauern eben auch ihre Zeit. Dieser Durststrecke kann/sollte/muss man mit entsprechender Online-Werbung entgegen wirken. Und genau hier setzt dieser Artikel an: Werbung auf Google und Facebook zu schalten ist kein Hexenwerk, scheitert aber in der Realität ganz oft an den Restriktionen der Plattformen.
Google AdWords für Hanf-Inhalte und Hanf-Produkte
Google stellt schon seit dem Jahr 2000 die Möglichkeit für Webseitenbetreiber bereit, im Suchnetzwerk (also in der google Suche) und später auch im sogenannten Displaynetzwerk (Werbung auf anderen Webseiten, die google AdSense einbinden) für die eigenen Produkte und Angebote zu werben. Dazu muss man lediglich ein google-Konto besitzen und die entsprechenden Werbeanzeigen aufbauen und aktivieren. Abgerechnet wird nach Klick, d.h. immer wenn ein Google-Besucher auf eine Anzeige klickt, wird ein entsprechender Betrag fällig. Das Modell nennt sich CPC, Cost per Click. Die Klickpreise variieren dabei von wenigen Cent bis teilweise 2 oder sogar 3-stellige Eurobeträge. Pro Klick wohlgemerkt! Der Klickpreis hängt übrigens immer davon ab, wie viel der Werbetreibende bereit ist zu zahlen. Das ganze funktioniert im Prinzip wie ein Auktionssystem: wenn ein Wettbewerber eine Anzeige für das selbe Keyword bucht, kann der Klick teurer werden, oder man rutscht mit der eigenen Anzeige einfach einen oder mehrere Positionen runter. Solange, wie man sein Gebot nicht erhöht. Wer also in den bezahlten Suchergebnissen ganz oben stehen möchte, der muss seine Gebote laufend anpassen (oder automatisiert anpassen lassen). Das führt natürlich dazu, dass die Klickpreise je nach Branche, Produkt oder Angebot wirklich abenteuerlich sind und schwanken. Für das Keyword "Kredit" zahlt man aktuell im Schnitt über 20 Euro pro Klick, für das Keyword "Hanf" liefert der Google-Keywordplaner aber eben nur unzureichende Werte zurück, d.h. man keinerlei Budgetplanung durchführen und weiß nicht, der Traffic am Ende kosten könnte! Wir bekommen über den Kampagnenmanager zwar den Richtwert von 89 Cent angezeigt, wissen aber nicht exakt, wie oft danach gesucht wird.
Verwandte Suchbegriffe finden - ohne Ergebnisse
Mit dem AdWords Keywordplaner kann ein Werbetreibender normalerweise auch "Vorschläge" generieren, sich also auflisten lassen, welche anderen Suchbegriffe im Umfeld von "Hanf" sonst noch gesucht werden. Die sogenannten
Keyword-Ideen
.

Leider liefert Google hier auf Grund der Restriktionen keinerlei Ergebnisse zurück. Es scheint also zunächst so, als würde gar niemand nach Hanf suchen oder anderen relevanten Keywords (wie z.B. "Hanf anbauen", "Ist Hanf legal" etc.) suchen, sofern man den Daten Vertrauen schenkt. Man kann als Werbetreibender also eigentlich nicht guten Gewissens Werbung schalten, wenn jemand nach HANF sucht. Außerdem würde die Werbeanzeige vermutlich sowie von der Qualitätsprüfung seitens AdWords abgelehnt werden (wie auch in unserem Fall passiert). Dabei haben wir kein explizites Angebot beworben, wir verherrlichen keine Drogen oder rufen zu deren Konsum auf, sondern verstehen uns als Informationsplattform. Dass die Grenzen hier immer fliessend sein werden, ist uns natürlich klar, dass hanf.biz als Plattform oder Informationsangebot für Drogen klassifiziert wird bleibt eher unverständlich. [caption id="attachment_1082" align="alignleft" width="829"]

Google lehnt Anzeigen zum Thema Hanf ab. Begründung: es handelt sich um Drogen[/caption] Gleiches gilt für Suchbegriffe im thematischen Umfeld, wie z.B.:
- Cannabis
- CBD (Öl)
- Hanfsamen
- etc.
Beim Suchbegriff "Cannabis" könnte man noch ein gewisses Verständnis aufbringen, da es näher am in Deutschland verbotenen und illegalen "Gras" und damit einer Droge angesiedelt ist. Bei "Hanf" ist es jedoch wirklich unverständlich und grenzt an Bevormundung und Zensur. Ein Produzent von Nutzhanf kann somit rein theoretisch nie bezahlte Werbung bei Google schalten, um neue Kunden online zu erreichen. Die Absurdität dabei: Google zeigt wie bereits erwähnt für das Keyword Hanf zunächst einen kalkulierten CPC von etwa 89 Cent an. Wie kommt ein solcher Klickpreis denn zustande, wenn man das Keyword eigentlich gar nicht buchen kann? Wahrscheinlich gibt es Webseiten, die aus irgendeinem Grund dann doch bieten und Werbung schalten dürfen. Anders ist das nicht zu erklären. Oder aber es werden Werte aus deutschsprachigen Ländern der EU herangezogen, in denen man Keywords wie "Hanf" problemloser buchen kann. Was noch auffällt: bei der Suche nach "Hanf" werden im Bereich "above the fold" (das ist der Bereich, der sofort nach dem Seitenaufruf sichtbar ist ohne zu Scrollen) über den organischen Suchergebnisse keine Ads ausgeliefert. Am Seitenende aber gibt es eine einzige Anzeige, die auf einen Steckling-Shop in Österreich verweist. Vermutlich haben die die Werbung über einen österreichischen Google-Account eingebucht und beispielsweise einfach im Geo-Targeting "Vorarlberg" und dann +-100km gesetzt. Da wir hier direkt an der österreichischen Grenze sitzen, bekommen wir das Ad eben noch ausgeliefert. [caption id="attachment_1124" align="aligncenter" width="667"]

Google Ads für den Suchbegriff Hanf: nur eine Anzeige am Seitenende der ersten Suchergebnisseite.[/caption] Interessanter Weise zeigt google bei einer wiederholten Suche dann doch 2 Anzeigen above the fold und 3 am Seitenende an. Wieder die besagte Anzeige zum Stecklingsshop plus ein Ad, welches bei Klick auf einen Shop für Hanf-Extrakt verweist. Logik eher Fehlanzeige! Wenn man die Filter im Keywordplaner auf andere Länder und Sprachen umstellt zeigt sich wiederum ein anderes Bild: so wäre es in den USA (mit englischer Sprache) durchaus möglich für den Suchbegriff "Hemp" Keyword-Ideen zu generieren. Sobald der Suchfilter Sprache auf "deutsch" steht, ist aber auch das nicht mehr möglich. Anbieter von Hanf-Produkten abseits des Konsums als Rauschmittel haben also weniger bis gar keine Chancen Ihr Angebot bei google zu bewerben und können sich somit auch die entsprechenden Marktchancen nicht erschließen.
Und jetzt wird es etwas perfide....
Google AdWords wäre ja nur eine von zahlreichen Möglichkeiten, Google Shopping bzw. Google Product Listing Ads ist eine andere! Und auch diese Werbemöglichkeit kostet (bis 2012 war google Shopping kostenfrei), dort kann man aber als Anbieter Hanfprodukte hochladen und verkaufen. Transaktional bzw. kommerziell geht also, Informational aber nicht? Perfide, oder? Auf jeden Fall unverständlich! [caption id="attachment_1089" align="alignleft" width="680"]

Google Shopping Integration auf der ersten Suchseite zu CBD Öl[/caption]
Hanf-Werbung auf Facebook? Fehlanzeige!
Wir haben kürzlich einen Beitrag zur Fragestellung "
Sind Hanfsamen in Deutschland legal?
" verfasst. Ein informatives Stückchen Content, das versucht eine Antwort auf diese knifflige und oft unklare Frage zu finden. Schon im Teaser der Anzeige und auch im Beitrag selber weisen wir deutlich darauf hin, dass er nicht als Rechtsberatung zu sehen sein darf UND wir schreiben deutlich, dass Cannabis in Deutschland illegal ist! Es befinden sich auch keinerlei kommerziellen Verkaufsangebote oder Links zu irgendwelchen Samenhändlern oder Growshops auf der entsprechende Seite. Und trotzdem geht die Werbeanzeige nicht durch die Qualitätsprüfung bei Facebook und wird mit "Es sind keine Werbeanzeigen zulässig, die illegale Drogen hervorheben." einfach abgelehnt. Also noch ein möglicher Werbekanal, der leider nicht in Frage kommt. [caption id="attachment_1078" align="aligncenter" width="979"]

Facebook lehnt Werbeanzeigen für informative und aufklärende Inhalte zum Thema Hanf kategorisch ab.[/caption] Und auch eine weitere Anzeige wurde abgelehnt, obwohl diese lediglich auf eine gute und objektive Dokumentation zum Thema "
Cannabis auf Rezept
" verweist. Wieder keinerlei Verherrlichung von Drogen oder kommerzielle Angebote.

Möglicherweise liegt es nur an der Verwendung des Bildmaterials, aber auch das empfinden wir in der Redaktion auch eher als Zensur. Warum sollte ein Bild auf dem lediglich ein Hanfblatt in die Höhe gehalten wird drogenverherrlichend sein?

Und jetzt wird es richtig absurd: Nachdem Facebook die Anzeige abgelehnt hat, bekomme ich im Newsstream die Aufforderung, die Anzeige doch bitte endlich fertig zu bewerben. Und andere Posts, die ich auf der Facebook-Page ja teilen kann, werden mir zur Werbeschaltung vorgeschlagen: [caption id="attachment_1104" align="aligncenter" width="516"]

Facebook möchte, dass wir die abgelehnten Beiträge doch bitte endlich fertig bewerben.[/caption] Nachtrag vom 19. September 2018: Wir haben die Ablehnung natürlich nicht einfach so hingenommen, sondern Einspruch eingelegt, der, wie zu erwarten war auch abgelehnt wurde. Die Begründung ist eher wenig aussagekräftig und gibt eigentlich nur wieder, was wir sowieso schon wussten: [caption id="attachment_1106" align="aligncenter" width="738"]

Der Einspruch unserer Redaktion wurde ebenfalls abgelehnt, da man keine "derartigen Produkte" hervorheben darf, die in vielen Ländern illegal sind.[/caption]
Und wie sieht es mit Twitter-Ads für Hanf aus?
Die Userschaft auf Twitter ist für das Thema Hanf eigentlich sehr affin und offen. Für Betreiber von Hanf- und Cannabisprojekten also eigentlich ein guter Kanal, um auf das eigene Informations- und/oder Produktangebot aufmerksam zu machen. Auch hier ist aber gerade zu Beginn die organische Reichweite eher sehr gering. Wir haben mit
@hanf_biz
in der ersten Woche gerade mal 18 neue Follower aufbauen können (was Ihr übrigens gerne ändern dürft/könnt/solltet #Dankeschonmal). Man kann bei Twitter aber seit geraumer Zeit auch die sogenannten Twitter-Ads nutzen, um die eigene Reichweite bzw. die Sichtbarkeit der Angebote zu steigern. Soweit so gut. Allerdings ist auch hier aller Anfang schwer, denn laut Richtlinien/Nutzungsbedingungen ist unser Twitter-Account noch nicht reif genug.

Wir werden das aber definitiv testen und hier zu unseren Erfahrungen berichten.
Wer dazu auf dem Laufenden bleiben möchte, kann sich gerne unten rechts in den Newsletter eintragen.
Wir sind uns nicht ganz sicher, ob dort Werbeanzeigen im Hanf- und Cannabis-Umfeld durchgehen, in den Guidelines konnten wir Stand heute nichts konkretes dazu finden.
Youtube - Zensurwelle
Bereits Anfang Mai 2018 hatte auch Youtube viele Hanf- und CBD-Kanäle einfach so ohne Vorankündigung gelöscht (Danke an den Betreiber von cbd-cannabidiol.de, der unsere Redaktion in Form eines Kommentars darauf aufmerksam gemacht hat. Link dazu in deren Kommentar unten). Auch das Hanf-Portal LEAFLY hatte damals darüber berichtet:
https://www.leafly.de/youtube-loescht-weltweit-cannabiskanaele/
. Auch das ist natürlich Zensur pur und war für viele Hanfprodukt-Verkäufer sicher dramatisch, die den Video-Kanal kommerziell bespielt hatten.
Das Fazit
Es ist so gut wie unmöglich ein digitales Hanf-Angebot online auf den bekannten und reichweitenstarken Plattformen zu vermarkten. Google hat die Anzeigen abgelehnt, Facebook ebenfalls und bei Twitter finden sich keine aussagekräftigen relevanten Informationen zu der Thematik. Das stellt jedes Hanf-Projekt vor große Herausforderungen, denn mit einem gigantischen Marktanteil von weiter über 90% fällt google als bezahlter Werbekanal damit schon mal unter den Tisch. Gleiches gilt für Facebook: auch hier wäre über entsprechendes Targeting eine große Reichweite für das eigene Angebot möglich. Fällt aber auch weg, weil es die Ads nicht durch die Überprüfung schaffen. Das Verständnis unserer Redaktion dafür hält sich natürlich in Grenzen: wir haben großes Verständnis dafür, wenn Firmen entscheiden, mißbräuchlichen und gefährlichen Drogenkonsum nicht durch entsprechende Werbung unterstützen zu wollen. Wir verstehen und können akzeptieren, dass das Bewerben von dahingehenden kommerziellen Angeboten problematisch sein kann. Wir verstehen aber nicht, warum aufklärende, informative und nicht-kommerzielle Angebote in ihrer Bewerbung geblockt werden müssen. Und wir hoffen, dass es schlecht trainierte Algorithmen und Programme waren, von denen unsere Anzeigen abgelehnt wurden. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt! Wir finden: das grenzt an Zensur, denn informationale Inhalte sollten ohne jegliche Restriktionen vermarktbar bleiben! Wie siehst Du das? Wir freuen uns auf Deine Meinung in den Kommentaren.
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